„Die Rache für ein totes Baby“; Lindbergh und Hauptmann, ein „Jahrhundert-Prozess“?



Veröffentlicht am 8. Dezember 2012 von

Charles Lindbergh war bereits ein Nationalheld, als sein 20-monatiger Säugling, Charles Augustus, am 1. März 1932 ermordet wurde, so jedenfalls die späteren Feststellungen des an sich unzuständigen Gerichts in Flemmington, New Jersey.

Als großer, schlaksig wirkender Mann hatte Charles Lindbergh im Mai 1927 nach einem schwierigen Start von Long Island aus mit seiner einmotorigen, 223 PS starken Spirit of St. Louis in 33 Stunden und 32  Minuten als erster Mensch den Atlantik nonstop überquert und dafür den ausgelobten Preis von 25.000 Dollar gewonnen. Der Haupttank seiner Maschine war dabei in der  Kabine vor dem Pilotensitz eingebaut, so dass der Flugpionier nur mittels eines Periskops nach vorne schauen konnte. In eisiger Kälte schlief er über dem Atlantik in seiner engen Kabine ein, verlor die Orientierung und wäre fast abgestürzt. Mit letzter Kraft und wohl dem letzten Tropfen Sprit erreichte er das Festland, wo er bei seiner Landung in Le Bourget bei Paris von einer frenetischen Menschenmenge empfangen wurde.

Damit lagen die Kontinente nicht mehr Wochen, sondern nur noch vergleichsweise wenige Tage auseinander. Auf der eigens für Lindbergh abgehaltenen Parade in New York City flatterten 1.800 Tonnen Konfetti durch die Luft – ein weiterer Rekord.

Berthold Brecht war von Lindberghs Erlebnisbericht „We“ (gemeint waren er selbst und sein Flugzeug) so begeistert, dass er den Text „Lindberghflug“ für die 1929 in Berlin uraufgeführte Kantate für Soli, Chor und Orchester von Kurt Weill schrieb.

Ein neues Zeitalter brach an, und dennoch befanden sich die Vereinigten Staaten von Amerika mit über 12.000.000 Arbeitslosen immer noch in der größten Wirtschaftskrise ihrer jungen Geschichte. Präsident Herbert Hoover, der in besseren Zeiten gewählt worden war, musste den Platz für Franklin D. Roosevelt räumen. Vom kommenden Wirtschaftsaufschwung des New Deal war noch nichts zu spüren, und in schwierigen Zeiten brauchen die Menschen Helden wie Charles Lindbergh, zu denen sie aufblicken können.

Als Lindbergh 1929 die hübsche und kluge Millionärstochter und Schriftstellerin Anne Morrow heiratete, bestätigte sich für die Massen der amerikanische Traum – sehr zum Leidwesen des jungen Traumpaares, das von Paparazzi gejagt wurde und nur noch mit Hut und Brillen verkleidet am öffentlichen Leben teilhaben konnte.

Der wegen seiner Nähe zum Naziregime kritisierte aus Düsseldorf stammende Publizist Friedrich Sieburg beschrieb 1954 in der „Zeit“ den Grund für die Abneigung der Lindberghs gegenüber der Presse: „Den strahlenden Amerikaner, der einst wie ein Halbgott mit unsterblichen Flügelschlägen den Ozean überflogen hat, holte der Fluch der Publizität ein und schlug ihn zu Boden.“

Genau diese Presse aber war es, die letztlich auch den vermeintlichen Mörder des Lindbergh-Babys, Bruno Hauptmann, zu Boden schlug und die öffentliche Stimmung gegen den aus Deutschland illegal eingewanderten Zimmermann so aufheizte, dass ein fairer Prozess nicht mehr möglich – vielleicht von den unter dem Druck der öffentlichen Meinung stehenden Ermittlungsbehörden auch nicht erwünscht – war.

Nachdem das ratlose Kindermädchen am Abend des 1.3.1932 Lindbergh an das leere Bettchen des blonden, blauäugigen Kindes geführt hatte, soll Lindbergh in Panik gerufen haben: “ Anne, sie haben unser Kind geraubt!“

Auf der Fensterbank fand man einen Erpresserbrief mit einer Lösegeldforderung von 50.000 $ und am Fuße des Fensters, über das der oder die Täter ins im 1. Obergeschoss gelegenen Kinderzimmers eingedrungen waren, eine zusammensteckbare 3-teilige Holzleiter, dessen eine Sprosse zerbrochen war.

Schon in den ersten Stunden nach der Entführung erschienen hunderte von Journalisten an dem im französischen Landhausstil gerade neu erbauten Anwesen der Lindberghs und zertrampelten auf dem Grundstück sämtliche noch nicht gesicherten Spuren. Das war der Auftakt zu dem von der Presse hochstilisierten „Prozess des Jahrhunderts“.

Alleine der Zeitungsbaron William Randolph Hearst schickte 2 mobile Fotolabors, und als am nächsten Morgen die Zeitungen erschienen, setzte eine planlose Fahndungswelle ein, bei der völlig unschuldige Eltern mit kleinen blonden Kindern in das Visier der nicht zimperlichen Fahnder gerieten.

Aber auch Lindbergh selber trug dazu bei, dass die polizeilichen Ermittlungen dem Chef der Staatspolizei von New Jersey, Norman Schwarzkopf, dessen Sohn später für die USA den 2. Golfkrieg gewinnen sollte, entglitten. Er überließ letztlich Lindbergh die Initiative, wenn nicht sogar das Kommando über die Ermittlungen.

Im Glauben, die Unterwelt müsse für die Entführung verantwortlich sein, beschritt Lindbergh unkonventionelle und letztlich erfolglose Wege. In der Hoffnung auf neue Informationen nahm er Kontakt zu Salvatore Spitale und Owney Madden, den bekanntesten Gangsterbossen auf, die während der Prohibition als ein neuer Typus der Schwarzhandelskaufmänner zu Geld und Einfluss gekommen waren.

Selbst Al Capone, der zu der Zeit wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis saß, bot seine Hilfe an.

Einen dieser Mittelsmänner aus dem Milieu, den Lindbergh als Privatsekretär und Detektiven eingestellt hatte, beging den Fehler, den in krakeliger Handschrift und mit vielen auf einen deutschstämmigen Täter deutenden (das englische good wurde z.B. „gut“ geschrieben)  orthographischen Fehlern  versehenen Erpresserbrief in der einschlägigen Szene herumzuzeigen. Trittbrettfahrer des Verbrechens, die nur so an die Erkennungszeichen des Briefes gelangt sein können, tauchten auf und behinderten die Ermittlungen.

Als einzig zuverlässiger Mittelsmann verblieb schließlich Dr. John F. Condon, ein 72-jähriger pensionierter und kurzsichtiger Schuldirektor, der mittels verschlüsselter Kleinanzeigen in der Lokalzeitung Bronx Home News tatsächlich Kontakt zu dem wohl richtigen Entführer herstellen konnte.

Nachdem Lindbergh das von der New Yorker Polizei registrierte Geld in Form von Goldzertifikaten besorgt hatte, verabredete sich Dr. Condon mit dem Entführer zu einen nächtlichen Geldübergabetermin auf einem Friedhof im Staat New York.

Später berichtete er, dass er das Geld einem Mann  namens John, mit spitzem Gesicht und hervortretenden Backenknochen, übergeben habe. Der Mann habe mit starkem, wahrscheinlich deutschem Akzent, gesprochen und ihm einen Zettel mit dem Schiffsnamen „Nelly“, das vor der Küste von Long Island liegen solle, überreicht.  Dort könne der Junge wohlbehalten  abgeholt werden.

Lindbergh flog sofort mit einem Wasserflugzeug los, fand das Boot trotz verzweifelter Suche aber nicht. Der Entführer „John“ meldete sich nie wieder.

Am 12.5.1932 entdeckte ein Lastwagenfahrer keine 5 km vom Anwesen der Lindberghs die stark verweste Leiche eines Kindes. Die Obduzenten stellten fest, dass die Leiche dort unmittelbar nach der Entführung abgelegt worden sein musste.

Die New York Daily News veröffentlichte am nächsten Morgen als erste Zeitung die schreckliche Nachricht unter der Schlagzeile „Baby dead!“, die jeder Amerikaner sofort verstand. Die Zeitung verkaufte an diesem Tag 3 Millionen Exemplare mehr als sonst. Angestachelt von den Medien, schrie die Bevölkerung nach Rache. Präsident Roosevelt ließ verlauten, er werde den Fall Lindbergh „… zu einem Fall erheben, der so lange am Leben erhalten und nicht vergessen und nicht aufgegeben werden darf, bis die Verbrecher unerbittlich der Gerechtigkeit überantwortet sind.“

Das seit langem diskutierte Bundesgesetz, das fortan als „Lindbergh Kidnap  Act“ bezeichnet wurde und eine Zuständigkeit des FBI auch  in Fällen von Menschenraub begründen sollte, war noch nicht in Kraft. Roosevelt setzte sich darüber hinweg und beauftragte das FBI unter Leitung des legendären J. Edgar Hoover ohne gesetzliche Grundlage mit den Ermittlungen.

Anders als in dem in diesem Jahr erschienen durchaus sehenswerten Film „J.Edgar Hoover“ von Clint Eastwood findet sich in der Geschichte kein Beleg für ein persönliches Eingreifen Hoovers in die Ermittlungen. Wie aber im Film angedeutet, nutzte Hoover spektakulär Festnahmen, um sich selbst in den Medien feiern zu lassen. Sein Verdienst für das FBI und damit vielleicht auch für die vermeintliche Lösung auch des Lindbergh-Falls lag mehr in der von ihm organisierten Professionalisierung der Behörde. Es war Hoover, der bei Ermittlungen auf wissenschaftliche Gutachten setzte und der bereits 1925 mit dem Aufbau einer nationalen Fingerabdruck-Datei begonnen hatte.

Da die Lösegeldübergabe im Staat New York stattfand, war neben der Polizei von New Jersey jetzt auch noch  die Polizei von New York zuständig. Der hieraus entbrannte heftige Kompetenzstreit der drei Ermittlungsbehörden mag dazu beigetragen haben, dass ein Klima der Verdächtigungen entfammte, welches schließlich auch auf das Haus Lindbergh übergriff.

Es kam der Verdacht auf, dass der oder die Entführer Hilfe aus dem Hause der Lindberghs gehabt haben mussten. Nach einem harten Verhör, beging das englische Kindermädchen Selbstmord, ohne dass ihr Mitwirken an der Entführung je belegt werden konnte.

Als im August 1932 das zweite Kind der Lindberghs geboren wurde, erklärten die Eltern gegenüber der Presse: “ …. dass es uns unmöglich ist, das Leben unseres zweiten Sohnes der Öffentlichkeit auszusetzen, die unserer Ansicht nach in hohem Maße am Tod unseres ersten Kindes schuld war. Wir sind der Meinung, dass unsere Kinder ein Recht darauf haben, normal mit anderen Kindern zusammen aufzuwachsen …. Ich wende mich an die Presse mit der Bitte, es unseren Kindern zu erlauben, das Leben normaler Amerikaner zu führen.“

Unter dem Einfluss des FBI markierten die Fahnder auf einer Stadtkarte von New York  mit farbigen Stecknadeln das Auftauchen der ersten registrierten Lösegeldscheine in Manhattan und der Bronx, ohne dass man dem Täter wirklich näher kam.

Im September 1934 kam der Durchbruch für die Ermittler. Ein aufmerksamer Tankstellenwart hatte bei der Entgegennahme eines notierten Geldscheines das Kennzeichen des Fahrers eines dunkelblauen Dodge notiert. Über die Zulassungsstelle ermittelte die Polizei den in Deutschland wegen Diebstahls und Raubes bereits verurteilten Zimmermann Bruno Hauptmann – 1279 East 222 Street, Bronx, New York.

Wenig später wurde Bruno Hauptmann verhaftet. Bei sich trug er eine 20-Dollar-Note aus dem Lösegeld. In seiner Garage fanden die Polizeibeamten gut versteckt weitere 14.600 $ des registrierten Geldes.

Damit stand für die Presse – jenseits der Unschuldsvermutung – der Mörder des kleinen Charles Augustus Lindbergh fest.

Seiner Beteuerung, das Geld habe ihm ein inzwischen wieder nach Deutschland ausgereister Isidor Fisch, der aber kurz nach seiner Einreise in Deutschland verstorben sei, zur Aufbewahrung überlassen, glaubte man Bruno Hauptmann ebensowenig wie den Beteuerungen seiner Unschuld.

Obwohl die Ermittler immer davon ausgegangen waren, dass mehrere Täter hinter dem Verbrechen standen, gab es keine weiteren Ermittlungen, vielleicht auch, weil Hauptmann – auf Anraten seiner Anwälte – keine sachdienlichen Angaben machte oder machen konnte.

Da die Lindbergh-Kidnap-Act noch nicht in Kraft war, hatte Hauptmann nach damaliger Gesetzeslage in New York nur eine Gefängnisstrafe wegen Erpressung zu befürchten. Das aber genügte der von der Presse aufgestachelten Bevölkerung nicht. Die Staatsanwälte suchten solange, bis sie ein altes Gesetz von New Jersey ausgruben, wonach jemand als Mörder verurteilt werden konnte, der bei einem nächtlichen Einbruch absichtlich oder unabsichtlich einen Menschen tötete.

Am 19.10.1934 wurde Hauptmann unter Umgehung des gesetzlichen Richters nach New Jersey ausgeliefert, wo am 2.1.1935 sein Prozess begann, dessen Ausgang jedermann im Lande klar war.

Der Prozess vor dem Bezirksgericht Hunterdon in Flemington geriet zu einem unwürdigen Volksfest der aufgebrachten Meute. An den Wochenenden wurde die 2500-Einwohner-Gemeinde von bis zu 100.000 Schaulustigen belagert.

In dem gegenüber dem Gericht liegenden Hotel, wo die Schöffen eigentlich von der Öffentlichkeit abgeschirmt beraten sollten, war gleichzeitig die Pressezentrale der nationalen Zeitungs- und Radioreporter eingerichtet, die schon von Beginn des Ermittlungsverfahrens an die öffentliche Meinung bestimmt hatten und die auch hier den Ton des unwürdigen Schauspiels abgaben.

Der Gerichtssaal der kleinen Gemeinde war ständig überfüllt. Obwohl es um Leben und Tod ging, herrschte ausgelassene Stimmung mit Gelächter, Beifall, Zwischenrufen und Missfallsbekundungen. Mit Messern wurden Holzstücke von Sitzbänken und Absperrungen als Souvenirs herausgeschnitten.

In der New York Times wurde die Atmosphäre von einer seriösen Journalistin treffend beschrieben: „… die überfüllten Gänge, der Lärm, die Geschäftigkeit, das idiotische Gelächter und die abstoßenden Gesichter der Menschen, die dort zuschauen, sind eine Verhöhnung der Zivilisation.“

Sie Staatsanwaltschaft bot nach heutiger Sicht fragwürdige Sachverständigenbeweise an, die belegen sollten, dass das Holz der bei der Entführung eingesetzten Leiter aus Sägewerken in der Nähe von Hauptmanns Wohnung stammte. Ein Brett sollte danach sogar aus Hauptmanns Wohnung stammen. 8 Graphologen bestätigten Hauptmann als Schreiber des Erpresserbriefes. Zeugen wurden aufgeboten, die Hauptmann in der Nähe des Lindberghschen Anwesens gesehen haben wollten. Vielleicht trug auch die Hoffnung auf die  ausgelobte Belohnung i.H.v. 25.000 $ dazu bei, dass schließlich auch Dr. John Condon, trotz anfänglicher Zweifel, Hauptmann als denjenigen meinte identifizieren zu könne, dem er seinerzeit das Lösegeld auf dem Friedhof übergeben hatte.

Obwohl Hauptmann als deutscher Einwanderer nicht alles verstand, wurde ihm kein Dolmetscher zur Seite gestellt. Nur einmal während des Prozesses verlor er die Fassung, sprang auf und rief: „Mister, Mister, lügen Sie doch nicht so!“

Sein Verteidiger, eloquent und stets mit einer weißen Nelke im Knopfloch ausgestattet,  ließ sich vom Daily Mirror 10.000 $ für exklusive Nachrichten bezahlen. Er gab Interviews und besaß letztlich die Geschmacklosigkeit, sein Briefpapier mit einer kleinen Abbildung der bei der Entführung verwendeten Leiter zu zieren.  Überhaupt redete er mit jedem, nur kaum mit seinem Mandanten, den er zur Prozessvorbereitung genau einmal aufgesucht hatte.

Hauptmann verstand die Verteidigungsstrategie, sofern es denn eine gab, nicht. Die von der Verteidigung ohne Absprache mit Hauptmann aufgebotenen Zeugen, brachen vor Gericht nacheinander zusammen, wirkten unglaubhaft und es kam der Verdacht auf, sie seien von der Verteidigung gekauft.

Der Vorsitzende Richter musste selbst dann keine Befangenheitsanträge der Verteidigung fürchten, wenn er sich  nach entlastenden Aussagen zu der an die Geschworenen gerichteten Frage hinreißen ließ: „Glauben Sie das wirklich?“

Aus den 30 Bänden der Prozessniederschrift lässt sich entnehmen, dass Hauptmann 17 Stunden befragt wurde. Es findet sich seine Aussage, wonach er von den Polizeibeamten geschlagen worden sei. Man habe ihn gezwungen, bei Vergleichsschreiben, die gleichen Fehler, wie im Erpresserschreiben nachzuahmen. Ansonsten ergibt sich aus den Akten wenig, das zur Aufklärung des Falles oder gar als Verurteilungsgrundlage hätte dienen können.

Auf dem Weg zurück zu ihrem Hotel liefen die Geschworenen Spießrute. Die Menge brüllte: „Auf den Stuhl mit dem Deutschen!“  Spottlieder mit deutschem Akzent wurden vor dem Gerichtsgebäude  gegrölt. Die wegen des Nationalsozialismus antideutsche Stimmung tat ihr Übriges. Der Pöbel ließ Luft ab.

Die Fragen, ob z.B. Mörder und Briefeschreiber zwingend identisch sein mussten und ob der durchgebrochene Leiterspross auf einen Sturz und damit auf einen Unfall bei der Entführung hindeuten könnte, wurden beiseite gewischt.

Am späten Abend des 13.2.1935, nach 11-stündiger Beratung, kehren die Geschworenen aus ihrem Hotel zurück in den Gerichtssaal. Der Vorsitzende der Geschworenen verkündete mit leiser Stimme die Entscheidung der Jury: „Schuldig! Wir, die Geschworenen halten den Angeklagten Bruno Hauptmann des Mordes für schuldig.“

Die Rechtsmittelinstanzen – auch der Oberster Gerichtshof – hielten, trotzt selbst in den USA aufgekommener Zweifel, das Urteil.

Informanten aus dem Todestrakt berichteten, Hauptmann weine viel und lese in der Bibel.

Bruno Hauptmann schwieg bis zuletzt. 14 Monate nach seiner Verurteilung, am Freitag, den 3. April, 1936, schaltet um 20.43 der Henker den Strom ein.

In seinem Abschiedsbrief heißt es: „Wenn sie mich umbringen, bringen sie einen unschuldigen Mann um. Ich weiß schon, sie denken, wenn ich sterbe, stirbt der Fall. Sie denken, es sei, wie wenn man ein Buch zuklappt!“

Hauptmanns Frau, Anna Hauptmann,  bemühte sich bis zu ihrem Tode im Jahre 1994 erfolglos um eine Rehabilitierung ihres Mannes. Letztlich wurde der Fall nie eindeutig geklärt.

In einigen Kreisen der amerikanischen Gesellschaft verblieb nach dem Urteil ein Unbehagen, das die Frau des damaligen Präsidenten, Elanor Roosevelt, deutlich zum Ausdruck brachte: „Ich habe keine Sympathien für Hauptmann, aber man muss sich fragen, was wäre, denn, wenn hier ein Unschuldiger vor Gericht gestanden hätte.“

Rechtsanwalt Gerd Meister, Mönchengladbach

Die Informationen aus diesem Arikel basieren u.a. auf dem Aufsatz „Rache für ein totes Baby“ von Dieter Vogt, erschienen bei C.H. Beck in dem Buch „Große Prozesse; Recht und Gerechtigkeit in der Geschichte“, München, 3. Auflage 2001;

und „50 Klassiker Prozesse“ von Marie Sagenschneider, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2002

sowie aus Wikipedia.de


Kategorie: Historisches
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